circular time lab | der Luzerner Sommer | Zyklus 2
Circular Time Lab: Wenn aus Ideen gebaute Realität wirdNach dem erfolgreichen Auftakt im vergangenen Jahr geht das Circular Time Lab der HSLU in die nächste Runde – und erneut wird der Luzerner Sommer zur Bühne für zirkuläres Bauen im Kleinformat mit grosser Wirkung.
Auch 2026 entstehen drei neue Objekte aus bestehendem Material, die im öffentlichen Raum erlebbar werden: bei der Viscosistadt in Emmen, auf dem Inseli in Luzern und – neu – im Apothekergärtli, ebenfalls in Luzern. Orte mit ganz eigenem Charakter, die den gestalterischen und konstruktiven Prozess von Beginn weg prägen.
Zusammenarbeit, die weitergeht
Für die Lignum Holzwirtschaft Zentralschweiz (LHZ) ist das Projekt aus mehreren Gründen zentral: Die Hochschule Luzern ist eine enge Partnerin – und mit dem Fokus auf zirkuläres Bauen greift das Circular Time Lab ein Thema auf, das die Branche nachhaltig bewegt.
Besonders wertvoll ist die Einbindung von Lernenden aus Luzerner Holzbaubetrieben. Sie erleben den gesamten Entstehungsprozess hautnah mit – von der ersten Idee bis zur Umsetzung. Ein wichtiger Lerneffekt, sowohl auf Seiten der Lernenden wie auch auf Seiten der Studierenden: Während die angehenden Zimmerleute den gesamten Bauprozess von Anfang an miterleben, erkennen die Studierenden, welche Herausforderungen in der praktischen Umsetzung entstehen können – sei es bei der Machbarkeit, bei Verbindungen oder im Umgang mit Material.
So war beim jüngsten Projekttreffen unter anderem die schaer holzbau ag vertreten: Maurus Winistörfer, dortiger Verantwortlicher für die Lernenden, koordiniert den Einsatz der jungen Berufsleute und wurde beim ersten Einsatz vom 4.-Lehrjahrlernenden Sascha Djordjevic und vom 3.-Lehrjahrlernenden Jan Meier begleitet. Beim ersten Zusammentreffen mit den Studierenden lag der Fokus unter anderem auf dem Handwerk. Die Lernenden konnten ihr Wissen sehr praxisorientiert an die Studierenden weitergeben. Weitere Zimmerleute in Ausbildung werden in den kommenden Projektphasen dazustossen und die Studierenden aktiv bei der Realisierung unterstützen.
Von der Idee zur Machbarkeit
Rund 70 Studierende arbeiteten zunächst in sechs Ateliers an ihren Entwürfen. Nach einer intensiven Konzeptphase wurden die Projekte verdichtet: Drei Gruppen entwickelten die Ideen weiter und fokussierten sich auf zentrale Themen wie Örtlichkeit, Struktur und Zirkularität.
Was dabei spürbar wurde: Die Diskussionen sind engagiert, differenziert – und immer mit dem Ziel, für jeden Standort die bestmögliche Lösung zu finden. Denn jeder Ort stellt eigene Fragen. Auf dem Viscosi-Areal etwa trifft man auf eine arenaartige Fläche: Greift man diese runde Form auf? Interpretiert man sie neu? Oder setzt man bewusst einen Kontrast? Solche Überlegungen entstehen nicht nur in der Theorie. Die Studierenden setzen sich intensiv vor Ort mit den Gegebenheiten auseinander – und lassen diese Eindrücke direkt in ihre Entwürfe einfliessen.
Tragwerk von Anfang an mitgedacht
Neu ist in diesem Jahr die frühzeitige Einbindung der holzprojekt ag. Mit Pius Renggli und Josua Bossert übernehmen Holzingenieure das Tragwerkscoaching. Diese enge Zusammenarbeit zeigt Wirkung: Statische Überlegungen fliessen von Beginn weg in die Entwürfe ein. Das hilft, Fehler frühzeitig zu vermeiden – und stärkt das Verständnis zwischen Planung und Ausführung.
Bauen mit begrenzten Ressourcen
Ein zentrales Element bleibt die Materialfrage. Das Circular Time Lab arbeitet bewusst mit vorhandenen Ressourcen: Das Holz stammt aus dem Rückbau der letztjährigen Installationen. Man erinnere sich: Stellvertretend für die drei letztjährigen Installationen wurde das Inseli-Projekt durch die LHZ mit dem Label Schweizer Holz ausgezeichnet. Die verfügbare Menge ist begrenzt – und genau darin liegt die Herausforderung. Ziel ist es, möglichst effizient und kreativ mit dem bestehenden Material zu arbeiten. Ergänzungen sind möglich, doch der Anspruch bleibt: zirkulär denken und handeln.
Vom Modell zur Umsetzung
Aktuell befinden sich die Projekte auf dem Weg von der Idee zur Realität. Alle Studierenden haben ihr individuelles Modell entwickelt. Diese wurden nun diskutiert und in einer Schlusskritik bewertet.
Die nächsten Schritte sind im Projektprogramm definiert:
• Mai 2026: Vorproduktion an drei aufeinanderfolgenden Freitagen
• Zweite Juniwoche 2026: Aufbau der Objekte an den drei Standorten
Ein Reallabor mit Strahlkraft
Das Circular Time Lab ist mehr als ein Studienprojekt. Im Rahmen der Forschung dient es als Reallabor, in dem Konzepte des zirkulären Bauens praktisch erprobt und weiterentwickelt werden. Eingebettet ist es in das internationale Kooperationsprojekt BAUHALPS – Building Circular in the Alps, in dem Partner aus sechs Ländern zusammenarbeiten.
Zirkularität, die wirkt
Für die LHZ zeigt das Circular Time Lab exemplarisch, wie Zirkularität im Kleinen gedacht – und im Grossen wirksam werden kann. Es verbindet Ausbildung, Praxis und Forschung. Es schafft Verständnis zwischen Disziplinen. Und es macht sichtbar, welches Potenzial im Holzbau steckt, wenn Ressourcen bewusst eingesetzt und Kreisläufe geschlossen werden.
Oder anders gesagt:
Hier wird nicht nur gebaut – hier wird Zukunft erprobt.
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Zyklus 1 - 2025
Übergabe Label Schweizer Holz
Am 25. August 2025 konnte Geschäftsführer Alex Bennet den Verantwortlichen der Hochschule Luzern Technik und Architektur das Label Schweizer Holz für die Temporärbauten übergeben.
Die Details sind in der Medienmitteilung verfügbar.
Hier geht's zum Video der Labelübergabe:
26.06.2025: Öffentliche Schlusskritik
In der öffentlichen Schlusskritik haben die Studierenden je Struktur ihre Entwürfe erläutert, und es hat jeweils fast mehr als eine Stunde danach Feedback und Diskussion mit den Gästen und Dozierenden gegeben. Die Zusammenarbeit mit den Lernenden wurde dabei sehr geschätzt. Vor allem, wie die handwerkliche Umsetzung ihrer Entwürfe realisiert werden kann. Intensiv wurde diskutiert, wie Anforderungen des zirkulären Bauens zukünftig den Entwurf und die Planung beeinflussen. Die Frage, ob sie das Modul nochmals so machen würde, wurde begeistert bejaht, aber der Arbeitsaufwand war immens und ging weit über die Anforderung aus dem Studium hinaus. Nur für die Struktur in der Viscosi wurden während der Prüfung an die 5'000 Arbeitsstunden (nur Studierende – ohne Lernende) geleistet.
23.05.2025: Das Abenteuer geht weiter
Nun, das ganze Unterfangen als Abenteuer zu bezeichnen, mag irgendwie despektierlich klingen. Ist es aber gar nicht, denn wer am Freitag, 23. Mai 2025, dem Treiben an der Ebenaustrasse 22 in Horw beigewohnt hat, ist sich phasenweise wie in einem Abenteuerland vorgekommen.
Beim Eingang wird der Besucher von ganz viel Zeitgeschichte empfangen. Das Altholz, von einer abgerissenen Scheune stammend, könnte wohl eine Menge Erlebtes erzählen. Man darf gespannt sein, wo es dereinst seinen Platz in den geplanten Temporärbauten finden wird. Ins Gebäude tretend warten verschiedene Resthölzer auf ihren Einsatz. Und dann wird's richtig konkret. Da stehen einerseits rund 100 Modelle für mögliche Umsetzungsvarianten für die temporären Bauten mit dem Titel «Luzerner Sommer». Jede Studierende, jeder Studierender hatte den Auftrag, einen Entwurf inkl. Modell in Einzelarbeit für einen der drei künftigen Standorte anzufertigen. In einem anderen Bereich des Raumes besprechen Studierende intensiv ihren Entwurf, nehmen da und dort Anpassungen vor, justieren, wo optimiert werden kann, hinterfragen, diskutieren.
Know-how einbringen
Spannend auch das Treiben vor dem Gebäude. Berufsbildner Beat Roos von schaerholzbau ag, Altbüron, ist im aktiven Austausch mit den Studierenden und instruiert sie in der Bearbeitung der Balken. Sein Chef, Michael Schär, trat mit der Idee an ihn, das Projekt von Seiten Holzbau und Ausführung zu begleiten. Für ihn eine Ehrensache, hier mitzuwirken und sein umfassendes Wissen einzubringen. So holte er auch die Berufsbildner von Tschopp Holzbau AG, Haupt AG, Dubach Holzbau AG und Erni Holzbau AG ins Boot, welche allesamt Lernende nach Horw abgesandt haben. Beat Roos erwähnt, dass auch für ihn wieder ein grosser Lerneffekt gegeben sei. Als Zimmerleute kämen sie sonst erst dann zum Zuge, wenn die Pläne fixfertig seien und man in die Ausführung schreite. Hier, bei Circular Time Lab, fange es bereits bei der Entwurfsarbeit an, was im Sinne einer Verständnisförderung ganz spannend sei.
Voneinander lernen
Und so findet auf dem Vorplatz der Ebenaustrasse ein aktiver Austausch zwischen Studierenden und Lernenden statt, wobei die Lernenden den praktischen Part einbringen und die Studierenden in die Bearbeitungsarten des Holzes einführen. Einer dieser Lernenden ist Valentin Renggli. Er wurde von seinem Berufsbildner Beat Roos angefragt, hier mitzuwirken, und auch er findet den Einsatz ein Erlebnis und sehr lehrreich. Als 4.-Lehrjahr-Lernender ist Valentin erfahren genug, um die Fragen der Studierenden zu beantworten und sie bei den anstehenden praktischen Arbeiten anzuleiten und zu unterstützen. Gleichzeitig gehe es auch darum, geplante Schritte zu hinterfragen und gemeinsam nach der bestmöglichen Lösung zu suchen, erklärt er.
Wie geht es nun weiter?
In Horw wird nun in drei Gruppen weiterhin fleissig an drei Strukturen gearbeitet, damit dann planmässig zwischen 10. und 13. Juni 2025 die Aufrichte der Temporärbauten erfolgen kann. Zwei dieser Installationen finden ihren Platz auf dem Inseli in Luzern, eine in der Viscosistadt in Emmenbrücke. Wie es sich für Bauwerke gehört, wird dann eine kleine Aufrichtefeier durchgeführt, bevor am 26. Juni dann die Schlusskritiken mit allen Studierenden vor Ort stattfindet.
Die Lignum Holzwirtschaft Zentralschweiz wird im Rahmen dieses Blogs weiterhin punktuell über das Projekt berichten.
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Das sind die Phasen des Projekts
- In der Phase 1 haben sich die Studierenden mittels einer 1:1-Übung mit unterschiedlichen Holzverbindungen auseinandergesetzt
- In der Phase 2 mussten alle Studierenden in Einzelarbeit, ausgehend von der ersten Übung, einen möglichen Entwurf für einen der drei künftigen Standorte machen. Die Modelle waren Teil der Abgabe dieser Phase
- In der Phase 3 wurden die sieben Ateliers in drei Grossgruppen à ca. 30 bzw. 45 Personen aufgeteilt. Da wurde pro Gruppe aus den dann vorhandenen 30 bis 45 Entwürfen einer ausgewählt und weiterentwickelt, der nun real gebaut wird
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Wenn Studierende und Lernende ... und wenn die Holzbranche mit der HSLU ...
Ja, wenn Architekturstudierende und Lernende sich zusammentun, dann entsteht Innovation. Auf das Frühlingssemester 2025 hin haben das Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur und der Bachelorstudiengang Architektur der Hochschule Luzern das dreijährige Design-Build-Projekt «Circular Time Lab» initiiert. Dabei erproben die künftigen Architektinnen und Architekten sowie Zimmerleute in Ausbildung kreislauforientiertes Bauen.
Was bedeutet das? Aktuell wird in der Werkstatt der HSLU an der Ebenaustrasse fleissig an der Realisierung von drei temporären «sommerlichen» Strukturen gearbeitet. Diese werden dereinst im Sommer zugänglich sein und wegweisende Arbeiten für das zirkuläre Bauen darstellen. Warum? Während sich aktuell alles um die Konzeption, die Planung und die Realisierung dreht, werden die Bauteile nach Ablauf des Projektes wieder demontiert und vom nächsten Jahrgang der Studenten und Lernenden in neuer Form wiederverwendet. Zirkuläres Bauen as its best also.
Branche kooperiert mit HSLU
Die Vertreter der HSLU betonen die sehr kooperative Zusammenarbeit mit der Luzerner Wald- und Holzbranche. «Wir dürfen uns auf das Engagement von verschiedensten Betrieben verlassen; einerseits in Form von Materiallieferungen - und natürlich auch in Form von persönlichem Engagement, wie das die Lernenden mit ihren Berufsbildnern tun», stellen Pascal Wacker und Sonja Geier vom Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur CCTP fest.
Auch die LHZ ist am Start
Als Dachverband der Zentralschweizer Wald- und Holzbranche und als Kooperationspartnerin der HSLU ist es uns von der LHZ ein Anliegen, auch aktiv in die Vorgänge involviert zu sein. So berichten wir parallel zu den offiziellen Berichterstattungen der HSLU ebenfalls über unsere Erfahrungen und werden am Freitag, 23. Mai 2025, vor Ort einen Augenschein nehmen und davon erzählen, wie die Zusammenarbeit zwischen Lernenden und Studierenden funktioniert, und was in Horw konkret entsteht.
Informationen zum Projekt
Alle Informationen zum Projekt werden hier laufend aktualisiert.
Wir nennen hier sehr gerne explizit unsere Mitgliederbetriebe, welche sich in nennenswerter Art und Weise für das Gelingen des Projekts einsetzen:
Finanzierung:
Die Dienststelle Landwirtschaft und Wald Kanton Luzern (lawa) ist eine der drei Organisationen, die das Projekt mitfinanzieren.
Projektkoordination Praxis:
schaerholzbau ag, Altbüron
Partnerschaften Praxis:
Dubach Holzbau AG, Hüswil
Haupt AG, Ruswil
Tschopp Holzbau AG, Hochdorf
Erni Holzbau AG, Schongau
Unterstützt von:
Dahinden Sägewerk AG, Hellbühl
Küng Holzbau AG, Alpnach
Sägewerk Christen AG, Luthern
Josef Wyss AG, Büron
Quellenangaben:
Titelbild: HSLU
